BOSWAU + KNAUER
Alle Beiträge

Blog

Faseroptische Perimeterdetektion: wie sie wirklich funktioniert

DAS, DTS, sensorische Lichtwellen. Eine technische Einordnung der teureren, aber leistungsfähigeren Alternative.

Dr. Raphael Nagel

Dr. Raphael Nagel

20. September 2025

Faseroptische Perimeterdetektion: wie sie wirklich funktioniert

Faseroptische Perimeterdetektion ist kein Sensor, sondern ein Messverfahren, das aus einem gewöhnlichen Glasfaserkabel ein durchgehendes, ortsauflösendes Mikrofon macht. Wer diese Aussage akzeptiert, hat die zentrale Eigenschaft des Verfahrens verstanden. Wer sie nicht akzeptiert, wird das Verfahren entweder unterschätzen oder mit Produkten verwechseln, die unter demselben Namen verkauft werden, aber etwas anderes leisten.

Boswau + Knauer hat sich in den vergangenen Jahren mit dieser Technologie systematisch auseinandergesetzt, weil die Anforderungen aus dem Bereich kritischer Infrastrukturen, langer Perimeter und sicherheitskritischer Industrieflächen mit klassischen Detektionsverfahren nicht mehr wirtschaftlich abzudecken sind. Der vorliegende Beitrag ordnet das Verfahren technisch ein, beschreibt seine Stärken und Grenzen und benennt die Stellen, an denen Anbieter und Betreiber in der Praxis aneinander vorbeireden.

Was faseroptische Detektion physikalisch ist

Die Grundlage faseroptischer Perimeterdetektion ist die Tatsache, dass Licht, das durch eine Glasfaser läuft, an winzigen Inhomogenitäten im Material zurückgestreut wird. Dieser Effekt heißt Rayleigh-Rückstreuung, und er ist seit Jahrzehnten in der Telekommunikation bekannt, wo er als Verlustquelle gilt. In der Sensorik ist er der eigentliche Nutzwert. Die zurückgestreuten Lichtanteile tragen Informationen über den Zustand der Faser an jedem Punkt ihrer Länge. Eine mechanische Verformung, eine Temperaturänderung oder eine Schwingung verändern den Brechungsindex und damit die Phase und Amplitude des rückgestreuten Lichts.

Ein Auswertegerät, der sogenannte Interrogator, sendet Lichtimpulse in die Faser und misst die zurückkommenden Signale mit hoher zeitlicher Auflösung. Aus der Laufzeit ergibt sich der Ort, aus der Signalveränderung der Vorfall. Die Faser ist damit gleichzeitig Sensor und Übertragungsmedium. Sie braucht keine Stromversorgung, keine elektronischen Bauteile in der Strecke, keine Erdung. Sie funktioniert in explosionsgefährdeten Umgebungen, in starken elektromagnetischen Feldern und auf Strecken, die mit klassischen Sensoren nur unter erheblichem Aufwand abzudecken wären.

Das ist die Eigenschaft, die das Verfahren für lange Perimeter interessant macht. Ein einziger Interrogator kann eine Faserstrecke von mehreren Dutzend Kilometern überwachen. Jeder Meter dieser Strecke ist ein eigener Messpunkt. Wer in klassischer Sensorik denkt, müsste für dieselbe Abdeckung Hunderte einzelner Geräte installieren, verkabeln, mit Strom versorgen und warten. Die wirtschaftliche Logik dreht sich an dieser Stelle.

Die Physik hat ihren Preis. Interrogatoren sind komplexe optische Geräte, deren Kosten in einer Größenordnung liegen, die einen einzelnen Bewegungsmelder lächerlich erscheinen lässt. Die Faser muss in einer Tiefe und Verlegungsart eingebracht werden, die das Signal nicht durch ständige Hintergrundbewegung übersteuert. Die Auswertung verlangt Modelle, die zwischen einem Maulwurf, einem Regenguss, einem vorbeifahrenden Lastwagen und einem Menschen mit Spaten unterscheiden können. Wer nur die Hardware kauft, hat ein Messgerät. Wer ein Detektionssystem braucht, muss die Auswertung mitkaufen.

DAS und DTS: zwei verwandte, aber getrennte Verfahren

In der Diskussion über faseroptische Detektion werden zwei Begriffe häufig vermischt, die unterschiedliche Verfahren bezeichnen. Distributed Acoustic Sensing, kurz DAS, misst Schwingungen und Schalldruck entlang der Faser. Distributed Temperature Sensing, kurz DTS, misst Temperaturverteilungen. Beide nutzen dieselbe Faser als Sensor, aber sie werten unterschiedliche Aspekte des rückgestreuten Lichts aus und beantworten unterschiedliche Fragen.

DAS ist das Verfahren, das im Perimeterschutz die größere Rolle spielt. Es erkennt mechanische Einwirkungen auf die Faser oder auf den Boden, in dem die Faser liegt. Schritte, Grabungen, Fahrzeugbewegungen, das Anlehnen einer Leiter an einen Zaun, der Versuch, die Faser selbst zu durchtrennen, all das erzeugt akustische Signaturen, die das System klassifizieren kann. Die Ortsauflösung liegt typischerweise im Meterbereich, die zeitliche Auflösung im Bereich von Millisekunden. Was klassifiziert wird, hängt von der Qualität der Modelle ab. Ein gut trainiertes System unterscheidet einen Menschen, der über den Zaun steigt, von einem Tier, das sich am Zaun reibt. Ein schlecht trainiertes System unterscheidet beides nicht und produziert Falschalarme, die das System im Betrieb wertlos machen.

DTS ist das Verfahren der Wahl, wenn es um Brände, Leckagen, Heißstellen oder Kältebrücken geht. In Tunneln, Kabeltrassen, Pipelines und unterirdischen Anlagen ist DTS oft die einzige Möglichkeit, eine kontinuierliche Temperaturüberwachung über große Distanzen zu liefern. Für den klassischen Perimeterschutz ist DTS sekundär, kann aber als Ergänzung sinnvoll sein, etwa wenn neben der Eindringerkennung auch Sabotage an Energieleitungen oder thermische Anomalien beobachtet werden sollen.

Die Hersteller, die in beiden Verfahren arbeiten, kombinieren häufig DAS und DTS in derselben Faserinfrastruktur, wobei zwei getrennte Interrogatoren auf unterschiedlichen Fasern oder unterschiedlichen Wellenlängen arbeiten. Das ist technisch möglich und in bestimmten Anwendungen sinnvoll, treibt aber den Investitionsbedarf nach oben. Wer einen Perimeter sichern will, beginnt mit DAS. Wer eine vollständige Infrastrukturüberwachung will, prüft die Erweiterung um DTS in einem zweiten Schritt.

Die Begriffsvermischung in der Branche ist nicht zufällig. Sie erlaubt es Anbietern, mit dem allgemeinen Etikett "faseroptische Detektion" Produkte zu verkaufen, die in der konkreten Anwendung das jeweils andere Verfahren wären. Wer ein Angebot prüft, fragt zuerst, welches der beiden Verfahren konkret eingesetzt wird, auf welcher Wellenlänge der Interrogator arbeitet und welche Klassifikationsleistung die Auswertung erbringt. Ohne diese Antworten ist das Angebot nicht vergleichbar.

Die Klassifikationsfrage

Das eigentliche Können eines faseroptischen Detektionssystems liegt nicht im Interrogator, sondern in der Signalverarbeitung dahinter. Die rohen Daten einer DAS-Strecke sind Datenmengen im Bereich mehrerer Gigabyte pro Stunde und Kilometer. Aus diesen Daten ein verwertbares Alarmsignal zu erzeugen, ist eine Aufgabe, die ohne Mustererkennung und maschinelles Lernen nicht zu lösen ist.

Die Modelle müssen lernen, wie ein menschlicher Schritt auf einem bestimmten Bodentyp klingt. Sie müssen lernen, wie eine Grabung mit einem Spaten von einer Grabung mit einer Maschine zu unterscheiden ist. Sie müssen lernen, wie sich diese Signaturen ändern, wenn der Boden gefroren, durchnässt oder neu verfüllt ist. Sie müssen lernen, dass ein vorbeifahrender Güterzug, der über die parallele Trasse rollt, kein Sicherheitsereignis ist, sondern eine Routine. Diese Lernprozesse brauchen Daten, und sie brauchen die Bereitschaft, das Modell an die spezifische Geländesituation des jeweiligen Standorts anzupassen.

Hier scheitern viele Projekte. Ein Anbieter, der ein generisches Modell ausliefert und dem Betreiber die Anpassung überlässt, liefert eine Baustelle, nicht ein System. Ein Anbieter, der vor Ort eine Trainingsphase einplant, in der die typischen Hintergrundsignaturen aufgezeichnet und in das Modell eingebracht werden, liefert ein System, das nach einigen Wochen eine brauchbare Klassifikationsleistung erreicht. Diese Trainingsphase ist nicht optional. Sie ist Teil der Inbetriebnahme.

Die Klassifikationsleistung wird in zwei Größen gemessen. Die Detektionsrate gibt an, welcher Anteil tatsächlicher Vorfälle erkannt wird. Die Falschalarmrate gibt an, wie viele Alarme pro Kilometer und Tag ohne tatsächlichen Vorfall ausgelöst werden. Beide Größen hängen voneinander ab. Eine aggressive Einstellung der Empfindlichkeit hebt die Detektionsrate, treibt aber die Falschalarmrate. Eine zurückhaltende Einstellung senkt die Falschalarmrate, lässt aber Vorfälle durchschlüpfen. Die Kunst der Konfiguration besteht darin, beide Größen in ein Verhältnis zu bringen, das im operativen Alltag tragbar ist. Hinweise zur Bewertung solcher Systeme finden sich in den Veröffentlichungen des BSI zu kritischen Infrastrukturen, in den Richtlinien des VdS und in den Erfahrungswerten, die Versicherer im Rahmen der GDV-Statistik dokumentieren.

Anwendungsbereiche, in denen das Verfahren überlegen ist

Faseroptische Detektion ist nicht für jeden Perimeter die richtige Wahl. Sie spielt ihre Stärken dort aus, wo klassische Verfahren an ihre wirtschaftlichen oder physikalischen Grenzen stoßen. Lange Strecken sind die offensichtlichste Anwendung. Ein Umspannwerk, ein Flughafenzaun, eine Pipelinetrasse, eine Gefängnismauer, eine Energieerzeugungsanlage. Wer mehrere Kilometer Perimeter sichern muss, kommt mit klassischen Bewegungsmeldern und Mikrowellenstrecken in Kostenstrukturen, die in der Wartung nicht mehr tragbar sind.

Schwierige geografische Bedingungen sind die zweite Anwendung. Berge, Wälder, Wasserläufe, lange gerade Strecken durch unbewohntes Gelände. Wo keine Stromversorgung verlegt werden kann, wo Wartungspersonal nur mit erheblichem Aufwand vor Ort kommt, wo elektromagnetische Störungen klassische Sensoren beeinträchtigen, ist die passive Glasfaser im Vorteil. Sie braucht keine Energie in der Strecke, sie ist gegen Blitzschlag immun, sie ist gegen Funkstörung immun, sie ist gegen Vandalismus an der Sensorik selbst weitgehend geschützt, weil die aktiven Komponenten am sicheren Ende der Strecke stehen.

Kritische Infrastrukturen im Sinne der KRITIS-Verordnung sind die dritte Anwendung. Wer hier Sicherheit aufbaut, muss eine Detektionslösung haben, die unter Sabotagebedingungen weiterläuft. Ein klassisches System mit verteilter Stromversorgung und Funkstrecken hat eine Vielzahl von Angriffspunkten. Eine faseroptische Strecke hat genau zwei: das Faserkabel selbst, dessen Durchtrennung sofort erkannt wird, und den Interrogator, der in einem geschützten Raum steht. Diese Reduktion der Angriffsfläche ist ein Argument, das in Risikobewertungen von BSI und TÜV regelmäßig auftaucht.

Veranstaltungsorte, Militärgelände, Forschungseinrichtungen, Justizvollzugsanstalten und Häfen sind weitere Anwendungen, in denen die Eigenschaften des Verfahrens den höheren Investitionsaufwand rechtfertigen. In allen diesen Anwendungen gilt, dass die Wirtschaftlichkeit nicht aus dem Vergleich der Hardwarekosten entsteht, sondern aus der Reduktion des Wartungsaufwands, der Personalbindung und der Ausfallzeiten über die Lebensdauer der Anlage. Wer nur den Anschaffungspreis vergleicht, kommt zu der falschen Antwort.

Was das Verfahren nicht kann

Eine ehrliche Einordnung benennt auch die Grenzen. Faseroptische Detektion ist kein Universalwerkzeug. Sie hat blinde Flecken, die in der Planung berücksichtigt werden müssen.

Die Faser misst, was an ihr passiert. Ein Eindringling, der das Hindernis ohne nennenswerte Bodeneinwirkung überwindet, etwa durch einen darüber gespannten Drahtseilakt, erzeugt kein Signal. In der Praxis ist dieser Angriff selten, weil er hohe Planung erfordert, aber er ist möglich. Eine faseroptische Strecke wird deshalb selten allein eingesetzt, sondern in Kombination mit Kameras, Lichtschranken oder einer thermischen Überwachung an besonders kritischen Punkten. Die Stärke der Faser ist die Fläche, die Schwäche der Faser ist der Punkt. Wer einen Punkt absichern will, nimmt ein anderes Verfahren.

Die Klassifikation hat Grenzen. Ein erfahrener Angreifer, der die Eigenschaften des Verfahrens kennt, kann versuchen, sein akustisches Profil zu reduzieren. Langsame Bewegungen, weiche Sohlen, Vermeidung von Werkzeugen, Arbeit zu Tageszeiten mit hohem Hintergrundpegel. Auch hier gilt, dass das Verfahren nicht allein steht, sondern Teil einer Architektur ist. Die Faser meldet Auffälligkeit, die Kamera bestätigt, der Operator entscheidet. Diese Kette ist die eigentliche Detektionsleistung.

Die Installation ist anspruchsvoll. Eine Faser, die zu nah an einer Straße liegt, wird vom Verkehr überstrahlt. Eine Faser, die zu tief verlegt ist, dämpft die Signale unter die Erkennungsschwelle. Eine Faser, die in der Nähe einer Pumpstation liegt, wird von deren Dauerschwingungen geprägt. Die Verlegung ist Ingenieursarbeit, keine Tiefbauleistung, die nach der Kabeltrommellogik abgearbeitet werden kann. Wer hier spart, verliert die Investition in den Interrogator.

Die Lebensdauer der Faser selbst ist hoch und liegt in Größenordnungen, die mit klassischer Telekommunikationsfaser vergleichbar sind. Die Lebensdauer der Interrogatoren und der Auswertungssoftware folgt anderen Gesetzen. Hier sind Wartungsverträge, Updatestrukturen und Ersatzteilstrategien nötig, die der Betreiber im Vertrag absichern muss. Eine Faser, die noch funktioniert, aber deren Interrogator nicht mehr unterstützt wird, ist ein totes Investment.

Wirtschaftliche Einordnung

Die Frage nach der Wirtschaftlichkeit lässt sich nicht in einer pauschalen Aussage beantworten, weil sie von der Länge des Perimeters, der Bestandsinfrastruktur, dem Schadenrisiko und den regulatorischen Anforderungen abhängt. Eine qualitative Aussage ist trotzdem möglich.

Unterhalb einer Perimeterlänge von etwa einem Kilometer ist die faseroptische Lösung in der Anschaffung deutlich teurer als eine klassische Kombination aus Zaundetektion, Kameras und Bewegungsmeldern. Im Bereich zwischen einem und drei Kilometern beginnt sich der Vergleich zu drehen, vor allem wenn die Wartungskosten über zehn Jahre kumuliert werden. Oberhalb von drei Kilometern ist die faseroptische Lösung in den meisten Anwendungen wirtschaftlich überlegen, weil die Skalierungslogik der klassischen Systeme die Kostenkurve nach oben treibt, während die Faser im Wesentlichen ein einmaliger Aufwand bleibt.

Diese Bandbreiten sind Orientierungswerte, keine Festwerte. Wer eine belastbare Aussage für den eigenen Standort braucht, kommt um eine Wirtschaftlichkeitsrechnung nicht herum, die alle drei Kostenkategorien einbezieht: Investition, Betrieb, Risiko. Die dritte Kategorie wird häufig unterschätzt. Eine Anlage, die ein Sicherheitsereignis verhindert, das in der Schadensbilanz mit einem mittleren sechsstelligen Betrag zu Buche geschlagen hätte, hat sich in einem einzigen Vorfall amortisiert. Die Versicherer wissen das, und sie honorieren professionelle Sicherheitsarchitekturen in den Konditionen. Die Berücksichtigung dieser Effekte in der eigenen Kalkulation ist die Aufgabe der Sicherheitsverantwortlichen, nicht der Anbieter.

Im Buch "BOSWAU + KNAUER, Vom Bau zur Sicherheitstechnologie" ist diese Logik in einer Wirtschaftlichkeitsrechnung in drei Szenarien dargestellt, die jeder Betreiber an seine eigenen Zahlen halten kann. Die Rechnung ersetzt kein Audit, aber sie gibt die Struktur, in der die Frage zu denken ist.

Wer installiert, wer betreibt

Die Frage, wer eine faseroptische Perimeterdetektion installiert und betreibt, ist nicht trivial. Drei Gewerke treffen aufeinander, die in klassischen Projekten getrennt arbeiten. Tiefbau für die Verlegung der Faser. Nachrichtentechnik für die Spleißung und das Setzen der optischen Komponenten. Sicherheitstechnik für die Konfiguration, die Auswertung und die Anbindung an die Leitstelle.

Wer diese drei Gewerke nicht in einer Hand hat oder zumindest unter einer Generalverantwortung führt, baut eine Baustelle, deren Schnittstellen die typischen Problemquellen werden. Die Tiefbaufirma legt die Faser zu nah an die Asphaltkante, die Nachrichtentechnik spleißt mit einer Dämpfung, die später die Detektionsgrenze verschiebt, die Sicherheitstechnik konfiguriert auf eine Faserkennlinie, die nicht der gelieferten entspricht. Am Ende streiten drei Auftragnehmer, und der Betreiber hat keine funktionierende Anlage.

Die Antwort ist eine Generalverantwortung, in der ein einzelner Anbieter alle drei Gewerke entweder selbst erbringt oder als Hauptauftragnehmer steuert. Das verteuert das Projekt in der Anbahnung, weil die Generalverantwortung ein Aufschlag ist, der bezahlt sein will. Es spart das Projekt im Betrieb, weil im Fehlerfall ein Ansprechpartner haftet, der die gesamte Kette beherrscht. Wer die Wahl hat, wählt diesen Weg, auch wenn er teurer aussieht. Der höhere Preis ist die Versicherung gegen Schnittstellenversagen, das im Sicherheitsbereich nicht akzeptabel ist.

Für Betreiber, die noch keine Erfahrung mit dem Verfahren haben, ist ein Pilotbetrieb auf einem abgegrenzten Streckenabschnitt der vernünftige Einstieg. Eine Strecke von wenigen Hundert Metern mit voller Konfiguration, dreimonatigem Probebetrieb und dokumentierter Datenauswertung beantwortet mehr Fragen als jede Präsentation. Boswau + Knauer bietet diesen Pilotbetrieb in einem standardisierten 90-Tage-Format an, in dem die Erfolgskriterien vor Beginn definiert werden und am Ende eine belastbare Datenbasis für die Skalierungsentscheidung steht.

Was bleibt

Faseroptische Perimeterdetektion ist eine ernsthafte Technologie für ernsthafte Anwendungen. Sie ist teurer in der Anschaffung als klassische Lösungen, sie ist anspruchsvoller in der Planung, sie verlangt einen Hersteller und Integrator, der die Klassifikation beherrscht. Sie ist in den Anwendungen, für die sie entwickelt wurde, in der Wirkung und in den Lebenszykluskosten überlegen.

Wer einen Perimeter unterhalb eines Kilometers sichert, prüft das Verfahren als Option, entscheidet sich aber häufig für klassische Architekturen. Wer einen Perimeter oberhalb von drei Kilometern sichert, kommt an einer ernsthaften Prüfung der faseroptischen Lösung nicht vorbei. Wer eine KRITIS-Anlage sichert, prüft das Verfahren als Standardoption und begründet eher die Abweichung, als die Wahl.

Der nächste Schritt für Betreiber, die das Verfahren für die eigene Anlage in Erwägung ziehen, ist ein vertrauliches Gespräch von 60 Minuten, in dem die spezifische Lage, die Streckenlänge und die regulatorischen Anforderungen geordnet werden. Aus diesem Gespräch ergibt sich, ob ein Audit, ein Pilotbetrieb oder zunächst eine andere Architektur die richtige Antwort ist. Die Entscheidung trifft der Betreiber. Die Grundlage stellen wir.

Häufige Fragen

Was unterscheidet DAS von DTS?

DAS, Distributed Acoustic Sensing, misst Schwingungen und akustische Signale entlang der Faser und ist das Verfahren der Wahl für Perimeterschutz und Eindringerkennung. DTS, Distributed Temperature Sensing, misst Temperaturverteilungen und wird für Brandfrüherkennung, Leckagedetektion in Pipelines und thermische Überwachung in Tunneln eingesetzt. Beide Verfahren nutzen dieselbe Glasfaser als Sensor, werten aber unterschiedliche Eigenschaften des rückgestreuten Lichts aus. In komplexen Anwendungen werden DAS und DTS auf derselben Infrastruktur kombiniert, was Investitionsbedarf und Konfigurationsaufwand erhöht.

Wie weit reicht die Detektion?

Ein einzelner Interrogator deckt typischerweise Faserstrecken im Bereich mehrerer Dutzend Kilometer ab, in spezialisierten Konfigurationen auch mehr. Die Ortsauflösung liegt im Meterbereich, sodass jeder Punkt der Strecke als eigener Messpunkt behandelt wird. Die tatsächlich erreichbare Strecke hängt von der Dämpfung der Faser, der Spleißqualität, der gewählten Wellenlänge und der geforderten Empfindlichkeit ab. In der Praxis werden lange Anlagen oft segmentiert, sodass mehrere Interrogatoren parallel arbeiten und gleichzeitig Redundanz schaffen. Die Reichweite ist selten der begrenzende Faktor.

Welche Falschalarm-Rate ist üblich?

Belastbare Vergleichszahlen sind schwierig, weil Hersteller unterschiedlich messen und Standorte unterschiedliche Hintergrundprofile haben. Qualitativ gilt, dass ein gut konfiguriertes und trainiertes System nach einer Einlernphase von einigen Wochen eine Falschalarmrate erreicht, die im operativen Alltag tragbar ist, also wenige Alarme pro Kilometer und Tag, nahezu alle mit nachvollziehbarer Ursache. Ein nicht trainiertes oder generisch konfiguriertes System produziert ein Vielfaches davon und wird im Betrieb nach kurzer Zeit ignoriert. Die Einlernphase ist deshalb keine Option, sondern Teil der Inbetriebnahme.

Wer installiert das System?

Drei Gewerke sind beteiligt: Tiefbau für die Faserverlegung, Nachrichtentechnik für die optischen Komponenten und Spleißungen, Sicherheitstechnik für Konfiguration und Auswertung. Sinnvoll ist eine Generalverantwortung in einer Hand, weil Schnittstellenfehler zwischen den Gewerken die typische Fehlerquelle sind. Boswau + Knauer übernimmt diese Generalverantwortung für komplette Projekte oder steuert als Hauptauftragnehmer die beteiligten Partner. Für Betreiber ohne Vorerfahrung ist der Einstieg über einen 90-tägigen Pilotbetrieb auf einem abgegrenzten Streckenabschnitt der pragmatische Weg, um Wirkung und Wirtschaftlichkeit vor der Skalierung zu prüfen.

Dr. Raphael Nagel

Über den Autor

Dr. Raphael Nagel (LL.M.) ist Gründungspartner von Tactical Management. Er erwirbt und restrukturiert Industrieunternehmen in anspruchsvollen Marktumfeldern und schreibt über Kapital, Geopolitik und technologische Transformation. raphaelnagel.com

Seit 1892.

Das Haus erreicht man über boswau-knauer.de oder unter +49 711 806 53 427.