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Videoturm im Winterbetrieb: Heizung, Akkus und reale Verfügbarkeit

LiFePO4 bei Frost, Heizfolie an der Linse, Schmierstoffe. Was Winter wirklich mit einem Turm macht.

Dr. Raphael Nagel

Dr. Raphael Nagel

18. November 2025

Videoturm im Winterbetrieb: Heizung, Akkus und reale Verfügbarkeit

Ein Videoturm ist im Winter nicht das gleiche Gerät wie im Sommer. Wer das übersieht, kauft Datenblätter, nicht Verfügbarkeit.

Die Datenblätter, die im Markt zirkulieren, sind in der Mehrheit unter wohldefinierten Bedingungen geschrieben. Sie nennen Betriebstemperaturen, Laufzeiten und Aufzeichnungsstunden, die im Frühherbst auf einem geschützten Hof in der Nähe von München gemessen wurden. Sie sagen wenig darüber aus, was passiert, wenn dieselbe Anlage Ende Januar auf einer Großbaustelle in Sachsen steht, bei sechs Grad unter null, mit Schnee auf der Solarfläche und mit einem Akku, der seit November keinen vollen Ladezyklus mehr gesehen hat. Boswau + Knauer baut Türme für diesen zweiten Zustand. Aus dieser Ausrichtung ergeben sich Bauentscheidungen, die im Sommer wie Überkonstruktion wirken und im Winter den Unterschied zwischen Aufzeichnung und Ausfall machen.

Der nachfolgende Beitrag fasst zusammen, was sich in den Wintersaisons der letzten Jahre als belastbar erwiesen hat. Er ist aus der Sicht des Herstellers geschrieben, nicht aus der Sicht des Vertriebs. Wer einen Turm mietet oder kauft und ihn in der kalten Hälfte des Jahres betreiben will, sollte die folgenden Mechanismen kennen, unabhängig davon, mit welchem Anbieter er arbeitet.

Was Kälte mit einem Turm wirklich macht

Kälte greift einen Videoturm an mehreren Stellen gleichzeitig an. Die erste Stelle ist die Energieversorgung. Lithium-Ionen-Chemie verliert bei sinkender Temperatur an verfügbarer Kapazität, und bei Frost unterhalb des Gefrierpunkts steigt der Innenwiderstand so stark, dass die Entladeleistung einbricht. Was im Datenblatt als nutzbare Kapazität steht, ist eine Größe, die bei zwanzig Grad gemessen wird. Bei minus zehn Grad ist die abrufbare Energie deutlich geringer, je nach Chemie und Zellqualität in einer Bandbreite, die der Betreiber in seiner Verfügbarkeitsrechnung berücksichtigen muss.

Die zweite Stelle ist die Optik. Kondenswasser, Reif und vereiste Sichtfenster sind die häufigsten Ursachen für unbrauchbares Bildmaterial im Winter. Eine vereiste Kuppel liefert weiter ein Signal an die Aufzeichnung. Sie liefert kein Bild, das eine Person erkennt. Ein Aufzeichnungsband, das eine Person nicht erkennt, ist im Schadensfall der Beweis dafür, dass die Anlage nicht funktioniert hat, nicht der Beweis dafür, dass nichts passiert ist. Diese Unterscheidung ist juristisch und betriebswirtschaftlich erheblich.

Die dritte Stelle ist die Mechanik. Schwenkköpfe, Mastauszüge, Türmechanismen und Schließsysteme arbeiten mit Schmierstoffen, deren Viskosität temperaturabhängig ist. Ein Fett, das im Sommer geschmeidig ist, kann im Winter zähflüssig werden und Antriebsmomente erfordern, die der Motor nicht dauerhaft liefert. Die Folge sind keine spektakulären Ausfälle, sondern schleichende. Ein Schwenkkopf, der drei Sekunden länger braucht, um in Position zu fahren, wird im Sommer nicht auffallen. Im Winter führt er dazu, dass die Videoanalyse Auslöser in den Sekunden verpasst, in denen ein Vorgang stattfindet.

Die vierte Stelle ist die Kommunikation. Mobilfunkmodems und Antennen sind in der Theorie temperaturfest. In der Praxis nimmt die Empfindlichkeit am unteren Ende der Spezifikation ab, und die Latenz steigt. Ein Turm, der seine Aufzeichnung in eine zentrale Infrastruktur überträgt, muss auch bei eingeschränkter Verbindung weiter aufzeichnen. Diese Anforderung ist eine Architekturentscheidung, keine Frage der Hardware. Sie wird im Frühjahr getroffen, nicht im Januar.

LiFePO4 und warum die Chemie zählt

Die Wahl der Batteriechemie ist die zentrale Entscheidung in der Energieversorgung eines autarken Videoturms. Im aktuellen Markt dominieren zwei Familien. Klassische Lithium-Ionen-Zellen mit Kobalt- und Nickel-Anteilen liefern hohe Energiedichte bei moderaten Temperaturen. Lithium-Eisenphosphat-Zellen, kurz LiFePO4, liefern geringere Energiedichte, dafür eine deutlich höhere Zyklenfestigkeit, eine stabilere Spannungslage und eine bessere Sicherheitsbilanz. Für den Dauerbetrieb in wechselnden Außentemperaturen ist die zweite Familie die ernsthaftere Wahl.

LiFePO4 hat aber eine Eigenschaft, die im Winter explizit beachtet werden muss. Das Laden von LiFePO4-Zellen unterhalb des Gefrierpunkts schädigt die Zellen dauerhaft. Wer eine Zelle bei minus fünf Grad mit hoher Stromstärke lädt, lagert metallisches Lithium an der Anode ab, was die Kapazität reduziert und im Extremfall zu inneren Kurzschlüssen führt. Die Entladung bei Frost ist möglich, mit Leistungseinbußen, aber die Ladung ist es nicht. Diese Asymmetrie zwischen Laden und Entladen ist die Grundlage jeder ernsthaften Winterauslegung. Sie verlangt, dass jede LiFePO4-Bank entweder vorgeheizt wird, bevor Ladestrom fließt, oder dass das Batteriemanagement den Ladevorgang blockiert, bis die Zelltemperatur über einer definierten Schwelle liegt.

In der Praxis bedeutet das eine integrierte Heizung im Akkugehäuse, die aus der Restenergie der Zellen selbst oder aus der Solarversorgung gespeist wird, sobald sie verfügbar ist. Diese Heizung ist nicht groß. Sie liegt typischerweise im niedrigen zweistelligen Wattbereich, sie ist aber im Winter dauerhaft aktiv, und sie verbraucht Energie, die der Aufzeichnung nicht zur Verfügung steht. In der Verfügbarkeitsrechnung ist dieser Eigenverbrauch der wichtigste, häufig unterschätzte Posten. Eine Anlage, die im Sommer dreißig Stunden Reserveautonomie zeigt, kann im Winter auf zehn oder zwölf Stunden zusammenschmelzen, ohne dass an der Aufzeichnung selbst etwas verändert wurde. Wer diese Zahlen nicht offen kommuniziert, hat sie nicht gemessen oder hat ein Interesse daran, sie nicht zu zeigen.

Die Konsequenz für den Betreiber ist eine zweite Energiequelle. Reine Solarautarkie ist im mitteleuropäischen Winter auch bei großzügiger Modulfläche an die Grenze ihrer Wirtschaftlichkeit gekommen. Wer eine Baustelle im Dezember und Januar verlässlich überwachen will, plant entweder einen Netzanschluss ein, der den Akku in der Schwachlastzeit stützt, oder er kombiniert Solar mit einer Brennstoffzelle oder einem temporär nachladbaren Aggregat. Die Plattformlogik unserer Türme erlaubt diese Kombinationen, ohne dass das Gerät selbst getauscht werden muss. Was sich ändert, ist die Energiequelle. Was bleibt, ist die Aufzeichnung.

Heizfolie an der Linse und der Kampf gegen Kondensat

Die zweite kritische Komponente im Winter ist die Optik. Ein vereistes oder beschlagenes Sichtfenster macht den Turm in der Aufzeichnung unbrauchbar, ohne dass das Steuerungssystem dies notwendigerweise erkennt. Die Bilder werden weiter aufgezeichnet, sie sind nur ohne forensischen Wert. Die Versicherung sieht weiße Flächen. Die Staatsanwaltschaft sieht Unschärfen. Der Bauleiter sieht eine Anlage, die laut Statusmeldung läuft, und der Vorfall, der in der Nacht passiert ist, ist nicht dokumentiert.

Die Antwort darauf ist eine aktive Beheizung der Sichtfläche. In unseren Geräten ist eine transparente Heizfolie hinter dem Sichtfenster verbaut, die bei Unterschreiten einer definierten Schwelle automatisch eingeschaltet wird und die Glasfläche auf einer Temperatur hält, die Kondensation und Vereisung verhindert. Die Heizleistung ist auf das gerade Notwendige ausgelegt, weil jede zusätzliche Heizung am Energiebudget zehrt. Die Steuerung berücksichtigt Außentemperatur, Luftfeuchte und Taupunkt. Eine pauschal eingeschaltete Heizung verbraucht im milden Winter Energie ohne Wirkung. Eine ungeregelte Heizung kann im sehr kalten Winter nicht ausreichen.

Neben der Heizfolie hat sich eine zweite Maßnahme bewährt, die selten erwähnt wird, weil sie unspektakulär ist. Die Gehäuse unserer Kameramodule sind so konstruiert, dass die feuchte Luft, die im Tagesverlauf in das Gehäuse gelangt, am Tiefpunkt des Gehäuses ausgeschieden wird, nicht an der Sichtfläche. Trocknungspatronen mit Silikagel sind in regelmäßigen Wartungsintervallen zu tauschen, das ist eine Disziplin, kein Designproblem. Wer diese Patronen nicht tauscht, hat im zweiten oder dritten Winter Probleme, die im ersten Winter noch nicht sichtbar waren.

Eine dritte Maßnahme betrifft die Infrarot-Aufheller, mit denen die Türme bei Dunkelheit arbeiten. Infrarot-Dioden erzeugen Wärme, die im Sommer ein Problem ist und im Winter eine Hilfe. Die thermische Kopplung zwischen Aufheller und Sichtfenster ist in unseren Konstruktionen so ausgelegt, dass die Wärme der Infrarot-Einheit zur Stabilisierung der optischen Fläche beiträgt. Diese Kopplung ist Konstruktionsdetail, nicht Marketingaussage. Sie zahlt sich in Dezembernächten aus, in denen die Heizfolie allein nicht ausreichen würde.

Schmierstoffe, Dichtungen und die Mechanik im Frost

Ein Videoturm hat weniger bewegte Teile als ein Sicherheitsroboter, aber die Teile, die sich bewegen, sind im Winter besonders exponiert. Das beginnt beim Schwenkkopf der Kamera. Lager, Getriebe und Antriebsmotor arbeiten mit Schmierstoffen, deren Viskosität bei Frost stark ansteigt, wenn die Schmierstoffe nicht für tiefe Temperaturen ausgelegt sind. Standardfett für allgemeine Anwendungen funktioniert bis etwa minus zehn Grad zuverlässig. Darunter wird die Mechanik zäh, die Motoren ziehen mehr Strom, und die Bewegungen werden ungenau. Wir setzen in den exponierten Bereichen Schmierstoffe ein, deren Spezifikation bis minus dreißig Grad geht, und wir akzeptieren dafür eine etwas geringere Lebensdauer in den Wartungsintervallen. Das ist eine bewusste Tauschentscheidung zugunsten der Wintertauglichkeit.

Die zweite Komponente ist das Mastausziehsystem. Türme, die sich pneumatisch oder elektromechanisch auf Einsatzhöhe bringen, haben Führungen und Dichtungen, die im Frost anders reagieren als im Sommer. Eine Dichtung aus Standard-Gummi wird bei tiefen Temperaturen hart und verliert ihre Dichtwirkung. Wir verwenden in den exponierten Dichtungen Elastomere, deren Glasübergangstemperatur deutlich unter der typischen Einsatztemperatur liegt. Diese Materialien sind teurer. Sie halten dafür auch im fünften Winter noch dicht.

Die dritte Komponente betrifft die Schlösser und Verriegelungen. Wer im Winter ein Servicetechniker ist, weiß, wie ein vereistes Schloss die Tour einer Wartung um eine Stunde verlängern kann. Wir setzen in den Türverriegelungen Materialien und Konstruktionen ein, die ohne enteisende Sprays auskommen, und wir geben unseren Servicekräften eindeutige Anweisungen, kein Gewaltprinzip anzuwenden, das die Mechanik dauerhaft beschädigen würde. Eine Tür, die in der Wartung mit dem Hammer geöffnet wird, dichtet im nächsten Sommer nicht mehr.

Die vierte Komponente ist die Verankerung. Türme, die auf gefrorenem Boden stehen, verhalten sich anders als Türme auf taufeuchtem Boden im Frühjahr. Bodenfrost verschiebt sich, Schmelzphasen können einen Turm in Schräglage bringen, die im Bild zunächst nicht auffällt, weil die Bildstabilisierung sie ausgleicht. Wir empfehlen für den Winterbetrieb eine wöchentliche visuelle Kontrolle der Standfestigkeit, die in den Wartungsverträgen vermerkt ist. Dies ist kein Mangel der Türme, sondern eine Eigenschaft des Bodens, auf dem sie stehen.

Reale Verfügbarkeit, nicht Datenblattverfügbarkeit

Verfügbarkeit ist die Größe, an der ein Sicherheitssystem im Winter gemessen wird. Sie ist nicht identisch mit der Verfügbarkeit, die im Sommer gemessen wird, und sie ist nicht identisch mit der Verfügbarkeit, die ein Datenblatt verspricht. Reale Verfügbarkeit ist der prozentuale Anteil der geplanten Einsatzstunden, in denen das System eine forensisch verwertbare Aufzeichnung liefert. Diese Definition ist hart, weil sie eine Aufzeichnung, die aus weißen Flächen besteht, nicht als Verfügbarkeit zählt.

Aus unseren Felddaten ergeben sich für sauber konstruierte Türme im mitteleuropäischen Winter Verfügbarkeitswerte, die deutlich über neunzig Prozent liegen, sofern Wartung, Energieversorgung und Standortbedingungen miteinander stimmen. Werte über fünfundneunzig Prozent sind erreichbar, sie sind aber an Voraussetzungen gebunden, die in der Praxis nicht immer erfüllt sind. Die wichtigste Voraussetzung ist eine zweite Energiequelle. Die zweitwichtigste ist eine Wartung im Quartalsrhythmus, die im Winter auf monatlich verkürzt wird. Die drittwichtigste ist eine Standortwahl, die Schneefall, Schattenwurf und Windlast realistisch berücksichtigt.

Wer für seine Versicherung oder für seinen Bauherrn Verfügbarkeitswerte zusichern muss, sollte die Bandbreite kennen, in der diese Werte realistisch sind, und er sollte sie schriftlich vereinbaren. Boswau + Knauer gibt in den Verträgen Verfügbarkeitskorridore an, die saisonal differenziert sind. Ein Korridor für die Sommerhälfte, ein Korridor für die Winterhälfte. Diese Differenzierung ist nicht kundenfeindlich, sondern ehrlich. Sie spiegelt das, was im Feld gemessen wurde, und sie verhindert eine Diskussion im Februar über Versprechen, die im August gemacht wurden.

Ein zweiter Aspekt der realen Verfügbarkeit ist die Reaktionszeit im Servicefall. Ein Turm, der im Winter ausfällt, muss innerhalb eines kurzen Zeitfensters wieder in Betrieb sein. Wir betreiben für unsere Bestandskunden ein Servicenetz, das in den Wintermonaten verstärkt ist, mit Servicefahrzeugen, deren Ausrüstung auf Wintereinsätze abgestimmt ist. Das umfasst Ersatzakkus mit definierter Temperaturhistorie, vorgewärmte Module für den schnellen Tausch und Werkzeuge, die ohne Handschuhe nicht bedient werden müssen. Diese Detailarbeit ist nicht spektakulär. Sie ist die Grundlage dafür, dass ein Ausfall am Donnerstagabend nicht zu einer Lücke bis Montagmorgen wird.

Was bleibt

Ein Videoturm ist im Winter ein anderes Produkt als im Sommer. Wer ihn als Standardgerät einkauft und auf den Frost vertraut, verliert die Hälfte der Saison, in der er ihn am dringendsten braucht. Die Wintertauglichkeit ist nicht ein Zusatz, sie ist eine Architektur. Sie beginnt bei der Batteriechemie, sie zieht sich durch die Optik, die Mechanik und die Servicelogistik, und sie endet in einem Vertrag, der zwischen sommerlicher und winterlicher Verfügbarkeit unterscheidet.

Für Betreiber, die ihre Anlagen über mehrere Wintersaisons hinweg führen, ergeben sich aus diesen Überlegungen klare Konsequenzen. Erstens, die Batteriechemie ist eine Entscheidung über die Verfügbarkeit, nicht über den Einkaufspreis. Zweitens, die Optik braucht eine aktive Bewirtschaftung, nicht eine passive Hoffnung. Drittens, die Mechanik braucht Schmierstoffe und Materialien, die für die tatsächliche Einsatztemperatur ausgelegt sind. Viertens, die Verfügbarkeit ist eine saisonale Größe und gehört saisonal in den Vertrag. Wer diese vier Punkte in seine Beschaffung aufnimmt, hat eine Anlage, die im Februar das tut, was sie im Oktober versprochen hat. Die Logik, aus der diese Konstruktionsentscheidungen entstanden sind, ist in dem Band BOSWAU + KNAUER, Vom Bau zur Sicherheitstechnologie ausführlicher beschrieben.

Wer einen konkreten Standort prüfen will, kann das in einem Audit über drei bis fünf Tage tun. Das Ergebnis ist eine schriftliche Bewertung mit Wirtschaftlichkeitsrechnung und Empfehlungsmatrix, die unabhängig von einer späteren Zusammenarbeit nutzbar ist. Wer zuerst eine Einschätzung sucht, bevor er einen größeren Schritt macht, findet sie in einem vertraulichen Gespräch von sechzig Minuten. Beide Wege sind in den Hilfsmitteln des oben genannten Bandes präzise beschrieben.

Häufige Fragen

Welche Heizung ist nötig?

In einem winterfest konstruierten Videoturm sind drei Heizungen relevant. Eine integrierte Akkuheizung sichert, dass LiFePO4-Zellen nicht unterhalb des Gefrierpunkts geladen werden. Eine transparente Heizfolie hinter dem Sichtfenster verhindert Kondensation und Vereisung. Eine indirekte Wärme aus der Infrarot-Einheit stabilisiert die optische Fläche zusätzlich. Alle drei Heizungen sind temperaturgeregelt, weil ungeregelte Heizung Energie verbraucht, ohne Wirkung zu erzeugen. Die Heizleistung liegt insgesamt im moderaten zweistelligen Wattbereich. In der Verfügbarkeitsrechnung ist sie als Eigenverbrauch zu führen.

Wie funktioniert LiFePO4 bei Frost?

LiFePO4 entlädt bei Frost mit reduzierter Leistung, aber zuverlässig, sofern die Tiefentladung über das Batteriemanagement verhindert wird. Das Laden bei Temperaturen unterhalb des Gefrierpunkts ist hingegen schädlich und führt zu dauerhaftem Kapazitätsverlust durch Lithium-Plating. Aus diesem Grund hat jede ernsthafte LiFePO4-Bank eine Akkuheizung, die die Zelltemperatur vor dem Ladevorgang anhebt, sowie ein Batteriemanagement, das den Ladevorgang sperrt, solange die Schwelle nicht erreicht ist. Diese Schutzlogik ist nicht optional, sondern Bedingung für eine mehrjährige Lebensdauer.

Wann fällt der Turm aus?

Ein Turm fällt im Winter typischerweise nicht aus einem einzigen Grund aus, sondern aus der Verkettung mehrerer Bedingungen. Die häufigsten Auslöser sind eine entladene Batterie nach mehreren Tagen ohne Solarertrag, eine vereiste Sichtfläche bei defekter Heizfolie, eine Verbindungsstörung, die die Aufzeichnung lokal blockiert, oder eine mechanische Blockade an einem ungewarteten Schwenkkopf. Ein Komplettausfall ist selten. Häufiger sind Teilausfälle, in denen die Aufzeichnung läuft, aber nicht verwertbar ist. Genau diese Teilausfälle sind das eigentliche Risiko.

Wie wird die Wartung im Winter geplant?

Wartung im Winter wird im Spätsommer geplant, nicht im November. In den Wartungsverträgen ist ein verkürztes Intervall für die Monate November bis März vorgesehen, typischerweise vier Wochen statt zwölf. Geprüft werden Akkuzustand, Heizfunktion, Optik, Trocknungspatronen, Schmierstoffe an bewegten Teilen, Dichtungen und Standfestigkeit der Verankerung. Servicefahrzeuge sind im Winter mit vorgewärmten Ersatzmodulen und Werkzeug für tiefe Temperaturen ausgestattet. Wer die Winterwartung erst beauftragt, wenn das System auffällig wird, hat das Zeitfenster verpasst, in dem Wartung günstiger ist als Reparatur.

Dr. Raphael Nagel

Über den Autor

Dr. Raphael Nagel (LL.M.) ist Gründungspartner von Tactical Management. Er erwirbt und restrukturiert Industrieunternehmen in anspruchsvollen Marktumfeldern und schreibt über Kapital, Geopolitik und technologische Transformation. raphaelnagel.com

Seit 1892.

Das Haus erreicht man über boswau-knauer.de oder unter +49 711 806 53 427.